Eva in Ghana

 
22Februar
2016

Ankunft & BASCO-Film

Hallo ihr Lieben,

es ist Zeit für meinen letzten Blogeintrag!

Jetzt bin ich schon 6 Monate wieder in Deutschland. Auch hier vergeht die Zeit sehr schnell. Vielen von euch geht es bestimmt ähnlich. Das ist ja eigentlich ein gutes Zeichen, aber ich wünsche mir oft, die Zeit auch mal anzuhalten… Mir fallen immer so viele schöne Dinge ein, die ich machen könnte, dass die Zeit nicht für alles reicht. Daneben hat man ja auch noch ganz viele Pflichten. Mein Psychologiestudium gefällt mir aber sehr gut. Naja, es gibt eindeutig Schlimmeres.

Nur wenn ich „die Deutschen“ mit „den Ghanaern“ vergleiche kann ich wirklich sagen, dass die „Deutschen“ durchschnittlich viel höhere Ansprüche haben – und ich rede jetzt nicht von Ansprüchen an den Lebensstandard, sondern an Leistung – sowohl im Job als auch in der Freizeit. Ich spüre irgendwie einen Druck, dass man immer das Beste aus seiner Zeit machen sollte. Und um dieses Ziel umzusetzen, gibt es gefühlte 1000 Angebote, von denen man überflutet wird. Da fällt es mir persönlich nicht leicht abzuschalten, auch wenn ich es in Ghana anders erlebt habe.

Eher im Gegenteil  - genau deswegen war ich in meiner ersten Zeit in Deutschland überfordert – es gibt so viele Möglichkeiten, wie man seine Zeit verbringen kann und dafür braucht man noch nicht mal viel Geld ausgeben. Schaue ich einen Film, gehe ich spazieren, Fahrrad fahren, schwimmen, treffe ich mich mit Freunden, lese ich? Der Höhepunkt war als ich circa eine Halbestunde gebraucht habe, um mich für ein Essen in einem Restaurant zu entscheiden. (Im Endeffekt hat mir meine beste Freundin einfach die Entscheidung abgenommen, die damit Gott sei Dank total locker umgegangen ist). Seit diesem Abend habe ich mir vorgenommen, mich immer ganz spontan zu entscheiden und mich dann mehr überraschen zu lassen. (Nicht, dass ihr jetzt Angst habt, mit mir essen zu gehen.) In Ghana gab’s halt nicht so viel Auswahl – es gibt auch Restaurants mit nur einem Gericht, da muss man nicht lange überlegen und das Essen kommt sofort. Das ist ein großer Vorteil! Dementsprechend überfordert war ich aber mit der vielfältigen Speisekarte in Deutschland.

Was mir zuerst aufgefallen ist, als ich nach Deutschland kam, und worauf ich überhaupt nicht vorbereitet war, ist die Stille hier. Das hört sich für euch bestimmt komisch an und die Leute, denen ich es erzählt hab, konnten es auch nicht richtig nachvollziehen. Aber so ging es auch den anderen Freiwilligen.  Wenn in Ghana Stille war, hab ich das wirklich genossen, aber als ich nach Deutschland kam, hab ich es schwer ausgehalten. Dadurch hab ich mich einsam gefühlt. Es kam mir so vor, als würden sich die Leute in ihren Häusern verstecken. Das habe ich dann auch getan – in der ersten Zeit habe ich sehr wenig unternommen, weil ich das irgendwie total anstrengend war.

So kann die eigene Heimat einem plötzlich fremd werden! Aber ich hab mich bis jetzt hier gut eingelebt und schätze Deutschland, nur auf eine andere Weise als vorher. Daran merke ich, dass die Zeit in Ghana mich wirklich geprägt hat.

Tja, was hat mir das Jahr in Ghana sonst rückblickend gebracht? Es gibt viele Leute, die gegen solche Freiwilligendienste sind, da es verschwenderisch wäre, das viele Geld in diesen „Urlaub“ zu investieren. Es gibt ganz sicher Leute, die einen Freiwilligendienst machen und im Endeffekt hauptsächlich reisen, aber bei mir war das bestimmt nicht so. Wobei das Reisen ja auch dazu gehört, weil man nochmal ganz andere Eindrücke bekommt. Mich selber hat das Jahr in Ghana sehr weitergebracht und ich ermutige jeden, so etwas auch zu machen. Durch meine Erfahrungen bin ich reifer, selbstständiger, entspannter, umsichtiger und  toleranter geworden, auch wenn ich mich in meiner  ersten Zeit vielleicht nicht immer so verhalten habe. Ich musste mich an Deutschland ja erstmal gewöhnen. (An dieser Stelle ein Dank an meine tolerante Familie ;-)

Ich bin aber überzeugt,  dass mir viel, was ich in Ghana gelernt hab, in Zukunft helfen wird. Außerdem hoffe ich, dass sowohl meine ghanaischen Bekannten als auch meine deutschen (also ihr) durch meine Erzählungen etwas gelernt haben und vielleicht sogar Vorurteile abgelegt oder offener für die andere Kultur geworden sind. Bei einem weltwärts-Freiwilligendienst geht es deswegen nach meinem Verständnis nicht um einen selbst, sondern um den Beitrag für die Gesellschaft, der vielleicht nicht groß ist, aber auf jeden Fall mit einer hohen Verantwortung verbunden ist. Ich hoffe mal, dass ich Ghana und Deutschland so gut wie es geht repräsentiert habe. Wenn ihr Ghana nicht direkt mit tanzenden und hungernden Kindern und die Ghanaer Deutsche nicht direkt mit viel Geld verbinden, dann ist das schon ein großer Erfolg für mich.

Vielleicht erinnern sich ja noch einige: Ich habe in Basco mit meinem ICT-Club ein Video über Basco gedreht und bin jetzt ENDLICH dazu gekommen, ihn fertig zu stellen!! Hier ist, wie versprochen, der Link zu unserem Werk:

 
(Es kann sein, dass dieser Youtube-Link nicht funktioniert.)
 

Das wurde auch höchste Zeit, denn im März geht es wieder für mich nach Ghana!! :-) Ich freue mich so sehr, alle Leute wiederzusehen und für 4 Wochen wieder „ghanaisch“ zu leben.

Ich vermisse Ghana und ehrlich gesagt auch mehr als ich Deutschland in Ghana vermisst habe, was aber daran liegt, dass die Zeit in Ghana vorbei ist. Andererseits wäre ich auch nicht gerne länger da geblieben und ich habe mit dem Jahr abgeschlossen. Jetzt freue ich mich aber total auf meinen Urlaub dort.

Nach uns sind jetzt 2 Mädchen in Basco, die bestimmt einen richtig guten Job machen. Ich bin gespannt, sie kennen zu lernen. Leider schreiben sie keinen Blog, aber falls ihr ein Basco-Update möchtet, schreibt mir einfach.

Danke an alle Leser und an alle, die mich sonst bei meinem Freiwilligendienst unterstützt haben. Es hat mich sehr gefreut, so viel Interesse von euch zu erleben. Falls ihr irgendwen kennt, der auch einen Freiwilligendienst machen möchte, gibt meine Adresse ruhig weiter. ;-)

Bis dann! Eva 

31Dezember
2015

Entwicklungshilfe

An was denkt ihr, wenn ihr das Stichwort Afrika hört?

Nach einer Umfrage von tns emnid denken 47% zuerst an Hunger, 10% an Aids und 8% an Korruption.

So lässt sich natürlich erklären, dass viele Leute, die selbst im Überfluss leben, ein schlechtes Gewissen bekommen und das Bedürfnis haben, zu helfen. Durch das Spenden von Geld an irgendeine Hilfsorganisation lässt sich das schlechte Gewissen natürlich ganz schnell befriedigen. Doch ist diese Hilfe immer gut?

Entwicklungshilfe ist durch die Diskrepanzen zwischen Entwicklungs- und Industrieländern entstanden und hat das Ziel, diese Diskrepanzen auszugleichen.

Ein großer Unterschied besteht zum Beispiel in der Wirtschaft.  Die Globalisierung kann Nachteile für Entwicklungsländer haben: Die Entwicklungsländer können weniger wertvolle Waren anbieten und so profitieren die Industrieländer mehr als die Entwicklungsländer. Dadurch entsteht eine Ungerechtigkeit, die durch Entwicklungshilfe ausgeglichen werden soll.

Außerdem sehen viele Industrieländer die Menschenrechte in Entwicklungsländern verletzt – Frauen und Männer werden nicht gleichberechtigt, es gibt keine Religionsfreiheit und so weiter. Somit soll die Entwicklungshilfe zur Gewährleistung der Menschenrechte beitragen.

Entwicklungshilfe kann aber auch negative Folgen haben. Nahrungsmittelhilfe, zum Beispiel, sollte eigentlich nur in Notsituationen geleistet werden. Stellt euch vor, in Deutschland würden Flugzeuge Nahrungsmittelpakete vom Himmel werfen. Wo bleibt da der Anreiz, selbst zu arbeiten?

Diese „Hilfe“ hat zur Folge, dass hauptsächlich importiert und sehr wenig exportiert wird. Das ist tödlich für die lokale Wirtschaft und führt zur Abhängigkeit.

Wir profitieren von Entwicklungshilfe erstaunlich viel – Jeder investierte Euro hat einen dreimal so großen Effekt in Form von anschließenden Exporten. Damit wird Entwicklungshilfe zum Geschäft, wobei der ursprüngliche Sinn, Gerechtigkeit zu schaffen, vernachlässigt wird.

Um Abhängigkeit zu verhindern, arbeiten viele Organisationen nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Eigentlich eine sehr gute Idee, doch diese Hilfe kann auch gegenteilige Auswirkungen haben: Den Menschen aus Entwicklungsländern wird das Gefühl gegeben, dass sie hilfsbedürftig sind, was wiederum zum einen den eigenen Stolz verletzen und außerdem ihre Eigeninitiative lähmen kann, sodass sie, nachdem die Hilfe gewährleistet wurde, weniger als vorher tun.

Hinzu kommt, dass die Entwicklungsprojekte oft nicht an örtliche Gegebenheiten angepasst sind. Die Dokumentation „Süßes Gift“ zeigt ein gutes Beispiel dafür: In Kenia leideten Menschen unter Dürre, weswegen norwegische Organisationen versuchten, ihnen mit einer großen Umsiedlungsaktion an einen See zu helfen. Die Norweger schulten die Umgesiedelten zu Fischern um und errichteten eine riesige Hightech-Fischfabrik. Nach sechs Wochen wurde die Fabrik geschlossen. Warum? Erstens konnte der Strom für die gewaltigen Kühlanlagen nicht dauerhaft beschafft werden. Zweitens investierten die Männer und Frauen, nachdem sie etwas Geld mit dem Fischfang verdient hatten, wieder Geld in die Viehzucht.

Hier wird deutlich, dass die Entwicklung der Entwicklungsländer meistens nach den Vorstellungen der Industrieländer stattfinden soll: Wir sehen durch unsere „europäische Brille“, all die Defizite im Bereich der Bildung, Umwelt, Gesundheit, Ernährung und Menschenrechte. Diese Bereiche haben in Industrieländern einen hohen Stellenwert. In Entwicklungsländern gibt es eine andere Mentalität und Lebensweise – Religion ist zum Beispiel viel wichtiger und in Ghana habe ich persönlich von keinen Burn-Out-Fällen gehört.

Deswegen ist es nach meiner Meinung falsch zu sagen, dass Industrieländer generell überlegen sind, es kommt drauf an, aus welcher Perspektive man es betrachtet. Aber ich glaube, dass Industrieländer sich oft überlegen fühlen und ihre Vorstellungen idealisieren. Doch diese Vorstellungen sind nicht für alle Menschen gut. Das führt dazu, dass Entwicklungsgelder oft nicht im Sinne der Bevölkerung eingesetzt werden und Projekte scheitern. Das Beste für einen selber ist nun mal nicht immer das Beste für Andere.

Aber wie wichtig ist Entwicklung überhaupt? Wird es den Leuten aus Entwicklungsländern mit einer Lebensweise der Industrieländer besser gehen? Geht es den Leuten aus Entwicklungsländern mit ihrer Lebensweise überhaupt schlechter? Ich bin davon überzeugt, dass es nicht so ist und, dass die Leute aus Entwicklungsländern einfach andere Probleme haben (darüber lässt sich natürlich streiten). Früher war Deutschland auch nicht so weit entwickelt und die Menschen hatten den Luxus, den wir jetzt haben, nicht, aber ich glaube nicht, dass sie deswegen unglücklicher waren. Man kann Unbekanntes ja nicht vermissen. Aber wo ist der Sinn von Entwicklung dann überhaupt? Der Mensch strebt auf jeden Fall von Natur aus nach Entwicklung. Schon kleine Kinder haben das Ziel älter zu werden.

Wenn man Entwicklungshilfe aber stoppen würde, könnten Entwicklungsländer unabhängig von Industrieländern sein. Aber ist vollkommene Unabhängigkeit überhaupt realisierbar? Damit würden die Entwicklungsländer ja auch nicht an der Globalisierung teilhaben und die Diskrepanzen würden noch größer werden…

Ich finde, es ist alles im allem ein schwieriges Thema und bin mal gespannt auf eure Meinungen dazu.

Falls euch das Thema mehr interessiert, die Dokumentation "Süßes Gift", von der ich oben schon erzählt habe, kann ich nur empfehlen!

Der Link dazu: https://www.youtube.com/watch?v=Zt91UCr5SPw

11Sept
2015

Religion in Ghana

In Deutschland treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus und regelmäßige Kirchgänger sind inzwischen mehr Ausnahme als Regel. In Ghana hingegen wächst die Kirche. Ob ihr es glaubt oder nicht - immer mehr Leute werden Christen und es werden immer mehr Kirchen gebaut. Selbst im kleinsten Dorf steht eine Kirche. Die Häuser drum rum mögen noch so heruntergekommen sein, die Kirche bleibt gut erhalten.

Inzwischen gibt es 71% Christen, 17% Muslime und 5% Traditionalisten in Ghana. Der traditionelle Glaube wird auch oft mit dem christlichen Glauben vermischt, was sehr widersprüchlich sein kann. Zum Beispiel wird oft für einen Kranken gebetet, aber gleichzeitig auch ein traditionelles Ritual durchgeführt, um den Fluch zu vertreiben, der auf dem Kranken liegen soll. Das heißt, Krankheit oder Tod wird häufig nicht durch eine gesundheitliche Ursache, sondern durch einen Fluch erklärt. Wie man von zwei unterschiedlichen Glaubensrichtungen überzeugt sein kann, ist mir ein Rätsel, soll aber jetzt kein Thema sein.

Bedeutung der Kirche

Kirche hat einen sehr hohen Stellenwert im Leben der meisten Ghanaer. Für die meisten Ghanaer ist es unvorstellbar, dass es Leute gibt, die nicht gerne in die Kirche gehen oder sogar ungläubig sind. Stellt euch die Kirche in Ghana nicht wie bei uns in Deutschland vor! Es ist etwas ganz anders. Hier spricht die Kirche im Allgemeinen viele Deutsche nicht an, während die „Kirche in Ghana“ den Ghanaern sehr viel Freude bereitet. Man kann so viel Begeisterung, Leidenschaft, und Gemeinschaft sehen, dass es schon Spaß macht, dabei zuzusehen. Auch der zurückhaltendste Mensch kann anfangen zu singen, tanzen und mit einer solchen Intensität zu beten, dass ich nur staunend daneben stehe. Das heißt in Ghana wird in der Kirche viel intensiver mitgemacht als in Deutschland – die Ghanaer gehen in der Kirche praktisch auf.

In der Kirche habe ich am meisten gespürt, wie unterschiedlich die deutsche und ghanaische Kultur ist und mich fremd gefühlt. Für mich war es so schwer, einfach loszulassen, mitzumachen und meinen Glauben mit so viel Leidenschaft und Hingabe auszuleben. Daher habe ich mehr zugeschaut. Dabei hat mich der unumstößliche Glaube, den ich sehen konnte, sehr beeindruckt  und ich versuche zu verstehen, was in den Leuten vorgeht.

Die Kirche gefällt den (meisten) Ghanaern so gut, dass sie auch „ein bisschen“ länger dauert und häufiger stattfindet als in Deutschland. Abgesehen von dem 3-stündigen Gottesdienst sonntags haben die Kinder in BASCO auch noch 5 Mal unter der Woche Kirche, sie beten jeden Morgen und die letzte Woche im Monat wird gefastet, wo sie dann noch mehr Kirche haben. In BASCO ist das aber auch sehr extrem. Im Durchschnitt gehen Ghanaer meistens „nur“ sonntags in die Kirche, was ihnen aber sehr viel bedeutet. Dafür werden dann auch die schicksten Kleider und der besten Schmuck rausgeholt!  

 „Jesus is coming soon.“

Diesen Satz habe ich gefühlt 1526729 Mal gehört. „Jesus is coming soon and you have to prepared.“ In der Kirche wird meistens über das Ende der Welt gesprochen. Aber was soll passieren, wenn Jesus kommt? Und wie kann ich mich darauf vorbereiten? Ich fasse die Glaubensvorstellungen jetzt zusammen – es sind nicht meine Glaubensvorstellungen, sondern das, was mir erklärt wurde.

Es wird anscheinend nicht so wie beim letzten Mal sein, als Jesus gekommen ist. Diesmal wird er uns nicht mehr warnen, er wird kommen, um alle „guten Menschen“ zu sich zu nehmen. Es wird keine Chance für Sündiger mehr geben. Und Jesus kann jetzt kommen, in dieser Sekunde, deswegen sollen wir Menschen auch jetzt aufhören zu sündigen.

Erst gestern habe ich diesen Kettenbrief auf WhatsApp erhalten: „ I saw it again. The end-time is more than near. It will happen like a flash unexpectedly and time shall be no more for repentance. In my dream, I didn't make it to heaven despite I was saying my last prayer for forgiveness of sins, it was as if God shut his ears. […] It was as if a strange spirit entered into some people more clearly and those people disappeared. Immediately, the devil took over and started making mockery of the left over Christians. He had a register of everyone's name...At this point, I woke up. […]”. In Deutschland würden die meisten Leute bei so einer Nachricht lachen, doch in Ghana wird an so etwas geglaubt.

Himmel oder Hölle

Falls Jesus nicht mehr vor deinem Tod auf die Welt kommt, wird trotzdem über dich geurteilt. Auch hier kommen die „guten“ Menschen in den Himmel und die „schlechten“ in die Hölle. Doch was ist ein guter Mensch? Um in den Himmel zu kommen, musst du neu geboren werden. Man wird neu geboren, indem man seine Sünden wirklich bereut und aufhört, bewusst zu sündigen. Das heißt also auch, wenn ich sündige, aber nicht weiß, dass es eine Sünde ist, kann ich trotzdem in den Himmel kommen.

Nur was genau ist eine Sünde und was nicht? Darauf kann die Bibel Antworten geben. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist hier die goldene Regel. Wenn du dagegen verstößt etwa durch Lügen, Diebstahl, Ehe brechen oder Mord, sündigst du. Das stimmt mit den Werten unserer Gesellschaft überein. Es gibt jedoch manche Sachen, die ich persönlich nicht für eine Sünde halte wie Alkohol trinken oder, als Frau eine Hose zu tragen. Aber in Ghana werden solche gesellschaftlichen Regeln so beibehalten und durch Bibelzitate belegt. Dabei ist es natürlich immer eine Frage, wie man diese Bibelzitate interpretiert.

Für viele Ghanaer stehen die christlichen Gebote über dem Gesetz - das Schlagen in der Schule ist ein perfektes Beispiel dafür. Gesetzlich ist das Schlagen durch Lehrer verboten, doch viele Lehrer rechtfertigen ihr Handeln durch folgendes Bibelzitat „Erzieh deinen Sohn mit Strenge. Eine Tracht Prügel bringt ihn nicht um. Aber wenn du ihm seine Unarten austreibst, wirst du ihm das Leben retten.“ So wird das Schlagen als ein Weg, um die Kinder vom Sündigen abzuhalten, damit sie später in den Himmel kommen, interpretiert.

HEAVEN & HELL – 1000 to 1

Ich habe oft Flyer oder Hefte über Glauben in die Hand gedrückt bekommen, darunter auch das Heft „Heaven & Hell – 1000 to 1“. Ich frage mich immer noch, wie man an diese Geschichte wortwörtlich glauben kann. Wenn man die Story auch nur ein bisschen hinterfragt, müsste einem klar werden, dass sie wahrscheinlich nicht so 100%ig stimmen kann. Aber in BASCO wird nicht hinterfragt oder gezweifelt, da habe ich auch mit meinen vielen Argumenten gegen die Wahrheit der Geschichte keine Chance.

Ich gebe die Geschichte mal in meinen eigenen Worten wieder. (Ihr könnt euch die Geschichte auf Youtube auch gerne selber anhören (https://www.youtube.com/watch?v=HR1sFtFug38)).

Das Heft wurde geschrieben von einem gewissen Reverend Park Yong Gyu, der „gestorben und wieder auferstanden“ ist. Während seinem Tod wurde ihm zunächst Himmel und dann die Hölle gezeigt. Mit seinem Heft möchte er alle warnen:  „Heaven & Hell Is Real“.

Vor den Toren des Himmels, musste er zunächst ein Kirchenlied singen, um eingelassen zu werden. Im Himmel selbst gibt es nach Reverend Park – genau wie auf der Erde – Häuser, in denen die Menschen leben. Doch die Häuser sind nicht alle gleich! Je mehr du auf der Erde der Kirche gedient hast, desto größer ist dein Haus im Himmel. Du kannst der Kirche dienen, indem du Gott verehrst (etwa durch Gottesdienste), die Bibel liest, betest, andere Leute vom Glauben überzeugst, Opfer und Spenden gibst und mehr Kirchen baust. Je länger, desto besser. Durch diese Taten, wird „Material“ in den Himmel geschickt, mit dem dein Haus gebaut wird.

So bedeutet ein längeres Leben auch bessere Chancen auf mehr Material. Kinder sind deswegen alle obdachlos. Es gibt generell viele Obdachlose im Himmel oder Leute, die in schäbigen Häusern leben. Das sind keine Sündiger (sonst wären sie ja in der Hölle), sie waren auch der Kirche treu, aber nicht eben treu genug. Sie wurden „in Schande gerettet“. Ziemlich materialistisch alles und eigentlich dachte ich auch, im Himmel gibt es kein Leid.

Die meisten Leute werden aber nach Reverend Park in die Hölle kommen, nur einer von 1000 schafft es in den Himmel.  (Eigentlich müsste der Titel „Heaven & Hell – 1 to 1000“ und nicht „1000 to 1“ heißen, aber davon sehen wir jetzt mal ab.) Die Hölle ist zweigeteilt: Sie besteht halb aus brennenden Schwefel und halb aus Dunkelheit. Alle Sündiger enden hier und werden in beiden Hälften gequält: Es ist heiß, es gibt kein Wasser, weswegen alle dursten und man wird von Insekten und Dämonen gefoltert. Die Dämonen richten deinem Körpern durchgängig Schaden an – sie durchbohren deinen Magen, hacken deinen Kopf ab oder zerteilen gleich deinen ganzen Körper in Stücke, je nach deiner Sünde, für die du bestraft wirst. Die Körper heilen automatisch wieder und das Leiden fängt immer wieder neu an – die Qual hat also kein Ende. Man kommt in die Hölle, wenn man in seinem Leben nicht der Kirche gedient hat, wie oben schon beschrieben. In der Hölle sind unter Anderem Leute, die ungläubig sind, Leute, die ein lustvolles Leben gelebt haben, die nichts von ihrem Eigentum abgegeben haben oder Leute, die ihre Eltern nicht geehrt haben. Reverend Park hat auch Hitler und Stalin getroffen.

Nach seiner Auferstehung, hat Reverend Park sein Leben komplett verändert und voll und ganz der Kirche gewidmet. Jetzt rät er allen Menschen, das auch zu tun, bevor es zu spät ist und sie in die Hölle müssen.

Kirche – mehr als nur Glaube

Insgesamt gibt es viele Unterschiede zwischen der ghanaischen Kirche und der deutschen Kirche, sowohl in der Auffassung als auch der Umsetzung des Glaubens. Doch das Ergebnis ist das gleiche: Die Kirche gibt ihren Mitgliedern Sicherheit. Sie kann uns helfen, unseren Alltag zu bewältigen, von Sünden fern zu bleiben, uns im Glauben zu stärken, Sünden vergeben sie kann uns Gemeinschaft geben. Die Liste ist lang und all das finden die meisten Ghanaer in der Kirche. In Deutschland gibt es viele Alternativen, Sicherheit zu bekommen: Bei Problemen, beten viele nicht zu Gott, sondern besprechen sie mit Familie, Freunden,  Psychologen oder ihrem Arzt. Gemeinschaft gibt es auch in Cliquen, bei Konzerten oder beim Fußball – die gute Stimmung und das Miteinander dort erinnert mich an die Kirche in Ghana. Bei Unwissenheit gibt es eine Reihe von Quellen, durch die wir uns Wissen aneignen können. Die Kirche ist eine Quelle unter vielen, die für viele nicht sehr bedeutend ist und kritisch hinterfragt wird. Außerdem leitet uns das Gesetz: Viele Deutsche handeln „gut“ nicht etwa aus der Angst vor Gott oder der Hölle, sondern aus „Angst vor dem Gesetz“ oder aus dem Willen, anderen Menschen bzw. der Gesellschaft nicht zu schaden. All diese anderen Einflüsse sind garantiert auch eine Ursache dafür, dass Kirche in unserer Gesellschaft an Bedeutung verliert.

Kommen wir Deutsche alle in die Hölle?

Wenn die Glaubensvorstellungen vieler Ghanaer wahr sind, würden wir Deutsche praktisch alle in die Hölle kommen. Aber wie können wir überhaupt beurteilen, was nach Gott eine Sünde ist und was nicht?

„Alle Ungläubigen oder Zweifelnden kommen in die Hölle.“, hat mir ein ghanaischer Priester gesagt. Haben dann Ghanaer durchschnittlich nicht viel bessere Chancen, in den Himmel zu kommen? Die meisten Ghanaer wachsen ja in einem Umfeld auf, das viel stärker vom Glauben geprägt ist als das Umfeld vieler Deutscher. Das wäre also nicht gerecht. Viele Deutsche wurden dann einfach nicht „richtig“ beeinflusst. Und da wir alle in einer Gemeinschaft leben, würde es auch zu den Aufgaben der Ghanaer gehören uns „auf den richtigen Weg“ zu bringen.

Der Priester hat mir gesagt, dass Gott jedem die gleiche Chance gibt, sich ihm zuzuwenden. Aber was ist mit Neugeborenen? Oder Behinderten? Haben sie wirklich die gleiche Chance wie Andere? Da würde Gott eine Ausnahme machen. Und wo ist da die Grenze? Jeder Mensch ist durch irgendetwas benachteiligt und sündigt deswegen, also müsste doch auch jeder Mensch eine Ausnahme sein, damit es gerecht bleibt.

Für mich macht es mehr Sinn, wenn Gott jedem die gleiche Chance gibt, in den Himmel zu kommen und wird den freien Willen haben, diese zu ergreifen. Er müsste aber abhängig von unseren Anlagen, unserem Umfeld und unseren Möglichkeiten über uns urteilen, damit es gerecht bleibt. Aber wenn er es davon abhängig macht, müsste dann nicht jeder in den Himmel kommen? Wir leben ja alle in einer Gemeinschaft, in der wir uns gegenseitig beeinflussen. Die Schuld, dass wir sündigen, ist ja nicht unsere eigene, sondern auch die unseres Umfeldes, weil es uns nicht richtig beeinflusst hat. Ein Kind muss natürlich erstmal lernen, dass man nicht lügt. Für mich widerspricht also der gerechte und liebende Gott irgendwo damit, dass Menschen überhaupt in die Hölle kommen. Diese ganzen Fragen verwirren mich, ich hoffe aber, ihr konntet meinem Gedankengang folgen.

In Ghana sind meine Vorstellungen auf sehr unterschiedliche getroffen, dazu gehören vor allem meine religiösen Vorstellungen, da die Kirche dort so einen hohen Stellenwert hat. So habe ich mich in meinem letzten Jahr viel intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich hoffe, ihr habt durch diesen langen Blogeintrag (falls ihr ihn wirklich bis zum Ende gelesen habt) einen Einblick in die Kirche und den Glauben bekommen, den ich in Ghana erlebt habe und ich freue mich, wenn ihr mir eure Gedanken zu diesem Thema mitteilt.

02Sept
2015

Bildung - der Schlüssel zur Entwicklung

Welchen Stellenwert hat Schule in Ghana? Im Vergleich zu Deutschland einen niedrigen. Das fällt mir in letzter Zeit besonders auf – Deutschland ist ein Land, das sehr nach Entwicklung und Fortschritt strebt und sehr viel in Bildung investiert. Hier werden Fragen wie „Ist der Schnitt von 6,3 Kindern pro Erzieher wirklich optimal?“ diskutiert. In Ghana geht es um Dinge wie „Wie kann man kostenlose Bildung ermöglichen?“ oder „Dürfen Lehrer Schüler schlagen?“.

Das Bildungssystem

In Ghana fängt wie in Deutschland die Schulausildung mit dem Kindergarten an. Darauf folgt die „Primary School“ für 6 Jahre und die Junior High School für 3 Jahre. Am Ende der Junior High School werden zentrale Prüfungen geschrieben. Die Ergebnisse entscheiden darüber, auf welche Senior High School der jeweilige Schüler gehen kann, dabei gibt es „gute“ und „weniger gute“ Schulen. Aber wer Geld hat, kann die Schule einfach wechseln. Schulpflicht in Ghana gibt es bis zur 9. Klasse (Junior High School), deswegen sind die öffentlichen Schulen bis dahin auch kostenlos. Die Senior High School (10.-12- Klasse) ist freiwillig und kostet daher auch viel Geld. Weniger als die Hälfte der Schüler können sich das leisten. Auf der Senior High School machen die Schüler einen Abschluss, mit dem sie studieren können. Ein Jahr teilt sich in 3 Terms und am Ende jedes Terms werden in jeder Klasse, in jedem Fach Abschlussexamen geschrieben.

Stellenwert der Schule

Schule in Ghana wird (aus meiner deutschen Sicht) oft vernachlässigt. Für die meisten Ghanaer steht nichts über Kirche. Ob das gut oder schlecht ist, lässt sich drüber streiten. Die geringere Bedeutung von Schule hat aber einige Folgen.

In BASCO und auch in den meisten anderen Schulen ist ein geregelter Schulalltag etwas Besonderes. ANDAUERND fällt Unterricht aus. Kirche, Weeden (Rasen „schneiden“), Wasser holen, Holz holen, Besucher, Essen nicht fertig, es gibt so viele Gründe, warum gerade nicht unterrichtet werden kann, auch wenn einfach vergessen wird, zum Pausenende zu klingeln. (Letzteres kam nach meiner Meinung viel zu oft vor.) Ob es jetzt Unterricht gibt oder nicht, ist immer die große Frage. Als Lehrer kannst du so schlecht planen. Das letzte BASCO-Jahr war aber anscheinend besonders unorganisiert, weil wir keinen Schulleiter hatten, der alles geregelt hat. Das Ganze blieb an unserem 23-jähirgen Waisenheimdirektor hängen, der natürlich auch seine Grenzen hat. Aber dann wird es nächstes Jahr bestimmt besser. :-)

Viele ghanaische Eltern empfinden Schule als nicht so wichtig. Es gibt einige Schüler, die nur selten in die Schule kommen. So habe ich sogar noch am Ende des ersten Terms neue Gesichter in den Klassen gesehen! So kurz vor den Examen sollte man sich dann doch mal blicken lassen. Soll ich dann nochmal von vorne mit dem Stoff anfangen? Dann würde ich jede Stunde das Gleiche erzählen. Und zur persönlichen Wiederholung hat mir die Zeit gefehlt, das sind ja keine Einzelfälle. Den Schülern ist das auch eher egal. Beim Nachschreiben von Klassenarbeiten musste ich den Schülern meistens hinterher rennen und nicht sie mir. Die Klasse 5 war besonders extrem: Es war keine Ausnahme, wenn nur 2 von 15 Schülern die Hausaufgaben gemacht haben, was auch damit zusammenhängt, dass ich die Kinder nicht geschlagen habe. Aber kann man als Kind den Sinn von Schule überhaupt verstehen, wenn von den Eltern kein Druck kommt?

Hinzu kommt, dass die meisten Eltern den Kindern in schulischen Fragen nicht weiterhelfen können, da sie selbst oft nicht in der Schule waren. Individuelle Förderungen gibt es auch nur selten. Behinderte haben somit kaum eine Chance. In BASCO gibt es da mehrere Fälle. Ein Junge zum Beispiel kann aufgrund seiner Vergangenheit kaum sprechen und schon die erste Klasse ist für ihn eigentlich zu schwer. Aufgrund seines Alters wird er aber doch in die dritte Klasse versetzt. In BASCO fehlt es an so vielen Stellen, sodass für individuelle Förderung kaum Zeit mehr bleibt. Zu Robins Aufgabe gehörte es, Nachhilfe zu geben. Die hätte nur leider jeder zweite nötig und für alle reicht die Zeit einfach nicht.

Es gibt auch einige Lehrer, die Schule nicht so ernst nehmen wie viele deutsche Lehrer das tun. Schule heißt nicht, dass man unterrichten muss. Wenn man müde ist oder einfach keine Lust hat, muss man nicht kommen. Notizen von der Tafel abschreiben machen die Kinder sowieso alleine (natürlich schreiben die Kinder alle ganz fleißig, wenn kein Lehrer da ist). Die Verantwortung, die du als Lehrer für deine Schüler hast, habe ich als viel größer empfunden als die anderen Lehrer und war somit oft fleißiger.

Konsequenzen

All diese Umstände führen dazu, dass viele Schüler kaum lernen. Sinnvoll wäre, diese Schüler sitzen bleiben zu lassen. „Sitzenbleiben“ wird in Ghana jedoch gar nicht gerne gesehen, das heißt die entsprechenden Schüler wechseln die Schule stattdessen einfach oder brechen sie ab. Ja, in Ghana gibt es Schulpflicht, aber wenn du nicht gehst, passiert irgendwie auch nichts.

 In BASCO bleiben deswegen einfach nicht so viele Kinder wie eigentlich nötig sitzen. Deswegen gibt es RIESIGE Leistungsunterschiede in der Klasse. Dieses Jahr wurden tatsächlich 6.-Klasse Schüler, die weder lesen noch schreiben können, auf die Junior High School versetzt. Wie soll das funktionieren?  Es wird nur jedes Jahr schlimmer und es kommt den einzelnen Kindern nicht zu Gute, nur dem Ruf der Schule. In BASCO wird bei  Examen sehr viel geschummelt - und das nicht nur unter den Schülern. Gute Ergebnisse liegen auch im Interesse der Lehrer – deswegen sagen einige Lehrer die Antworten einfach vor. Sie rechtfertigen sich dann aus kurzfristiger Sicht – die Ergebnisse sind besser und es bleiben weniger Schüler sitzen. Langfristig gesehen lernen die Schüler natürlich trotzdem nicht. Ich würde auch nicht anfangen zu lernen, wenn mir die Antworten wahrscheinlich sowieso vorgesagt werden.

Die Einstellung der BASCO-Lehrer hängt nach meinem Verständnis damit zusammen, dass es keine ausgebildeten Lehrer sind. Das kann BASCO sich nicht leisten. Wir Freiwillige sind natürlich auch keine ausgebildeten Lehrer. Lehrer sind meistens ehemalige Senior oder Junior High School Schüler, das heißt mit 23 Jahren ist der Waisenheimdirektor der Älteste in BASCO vor Ort.

Aber es ist natürlich menschlich, dass man bei Gelegenheit schummelt:  . Ich habe ja schon mal erzählt, dass die zentralen Prüfungen in Ghana dieses Jahr ein zweites Mal geschrieben werden mussten, da die Prüfungen vorher schon in ganz Ghana verbreitet wurden.

Schlagen

Schlagen in der Schule ist in Ghana offiziell verboten. Ich habe aber auch von keiner Schule gehört, in der nicht geschlagen wird.  In BASCO hat bis auf uns Freiwillige jeder Lehrer die Schüler geschlagen. Ich bin sehr gut ohne Schlagen ausgekommen. Für die Lehrer ist der Stock jedoch die einfachste Methode, Respekt zu erlangen und die Schüler zum Lernen zu bewegen. Wie effektiv das Lernen dann ist, ist eine andere Frage. In Deutschland gibt es ausreichend andere Druckmittel und Strafen. Doch erzähl mal einem ghanaischen Schüler, dass du seine Eltern anrufst, wenn er jetzt nicht leise ist. Der würde dich auslachen! Oder Regeln wie „Wer zu spät kommt, backt einen Kuchen“ sind auch nicht umsetzbar. Die Schüler haben auch nicht so viel Angst vor schlechten Noten wie ich das in Deutschland erlebt habe. Das heißt: Wenn in BASCO nicht geschlagen werden würde, würde alles drunter und drüber gehen. Deswegen habe ich das Schlagen toleriert,  solange die Kinderkeine Verletzungen bekommen und in meinem Unterricht nicht geschlagen wurde. Ich hoffe, ich war durch meinen Unterricht ein Vorbild für andere Lehrer und habe bewiesen, dass es auch anders geht. Ich habe die Namen negativ auffallender Kinder an die Tafel geschrieben oder rausgeschmissen, nach jeder Stunde Plus- und Minuspunkte verteilt und gute Leistungen belohnt.

Geld

Ohne Geld funktioniert eine Schule nicht. In Ghana gibt es öffentliche und private Schulen. Die öffentlichen Schulen werden durch die Regierung finanziert und sind für Schüler kostenlos. Daher sind aber erstens die Schulen überfüllt und zweitens streiken die Lehrer, weil sie nicht genug verdienen.

Private Schulen sind deshalb angesehener. Sie werden durch das Schulgeld der Schüler finanziert. Es gibt viele private Schulen und BASCO ist eine davon. In BASCO zahlen viele Kinder jedoch kein Schulgeld, weil sie Waisen sind. Deswegen ist das Geld in BASCO immer knapp. Das Geld reicht zum Beispiel oft nicht für genug Schulmaterial. Und Unterrichten, wenn einige Kinder kein Schreibzeug haben, ist nicht einfach! Dieses Jahr konnten die Lehrer im ersten Term nicht richtig bezahlt werden und daher ist nur ein Lehrer, der bezahlt wird, wiedergekommen. Ja, es gab in BASCO mehr als einen Lehrer, die anderen haben nur freiwillig unterrichtet, da sie ehemalige BASCO-Schüler sind. Sie unterrichten freiwillig, weil sie erstens als Waise kostenlos in BASCO aufgewachsen sind und zweitens hoffen, dass der Reverend ihnen nach einer Zeit die Senior High School oder Universität finanziert.

In BASCO sind es leider inzwischen viele, die auf die Senior High School oder Universität warten. Es gibt 4 Schüler, die seit zwei Jahren warten, auf die Senior High School gehen zu können, 2 warten seit einem Jahr und dieses Jahr werden mindestens 2 dazu kommen. Die Senior High School dauert drei Jahre und ist mit der Oberstufe zu vergleichen. Am Ende schreibt man auch zentrale Prüfungen. Für alle drei Jahre zahlt ein Schüler zurzeit insgesamt 1300-1700 Euro, was aber vom Wechselkurs abhängt und nicht alles auf einmal gezahlt wird. Der Preis enthält Unterricht, Material, Verpflegung und Unterkunft. Für einen durchschnittlich verdienenden Ghanaer ist das viel Geld. Die Waisen in BASCO sind abhängig vom Reverend, der nicht viel Geld dafür übrig hat. Ich werde versuchen, BASCO in der Hinsicht finanziell zu unterstützen. Falls ihr Interesse habt, auch etwas dazuzugeben oder sogar Interesse habt, einem Schüler seine Schulausbildung komplett zu finanzieren, meldet euch bitte bei mir, dann gebe ich euch mehr Informationen dazu.  Ihr könnt hinterher natürlich immer noch Nein sagen. Vielleicht habt ihr ja auch zukünftig Interesse daran, behaltet es einfach im Hinterkopf. Wenn viele einen kleinen Beitrag leisten, kann auf jeden Fall viel zusammen kommen. Überlegt es euch!

Jetzt habe aus meiner deutschen Sicht ich viele Probleme aufgelistet und hoffe, mein Eintrag ist  Aber das Bildungssystem in Ghana entwickelt sich enorm und macht deutliche Fortschritte. In BASCO mussten die Lehrer vor ein paar Jahren noch die Stifte in den Händen der Schüler selber führen, damit sie schreiben lernten. Neben all den Problemen also, hat Ghana im Vergleich zu anderen Ländern ein gutes Bildungssystem.

Abschließend kann ich sagen, dass es nach meiner Meinung viele Dinge gibt, die am ghanaischen Bildungssystem verbessert werden könnten und, dass das deutsche Bildungssystem ein gutes Vorbild dabei sein kann. Aber wie wichtig ist Entwicklung wirklich? Ich finde, sehr wichtig. Aber es gibt auch noch andere wichtige Dinge im Leben, die nicht vernachlässigt werden sollten. Wir leben ja nicht nur, um zu lernen und zu arbeiten.  Das alleine, kann nicht glücklich machen. Neben all dem Schul- und Arbeitsstress und den hohen Erwartungen, sollte man das Leben genießen. Das hört man häufig, aber ich habe das Gefühl, dass viele Deutsche (inklusive mir) das oft vergessen. Da können wir uns von den Ghanaern eine Scheibe abschneiden.

 

Das sind Bilder aus verschiedenen Schulen in Ghana:

 

22August
2015

Ghanaisches Essen

Es geht um ein ganz wichtiges Thema: Essen. In Ghana ist nicht nur das Essen, sondern auch die Esskultur ganz anders.

Zunächst ein paar Fakten:

1. (Die meisten) Ghanaer lieben Pfeffer. Es gibt kein ghanaisches Essen, das nicht scharf ist.

2. (Die meisten) Ghanaer sind unkreativ, was das Kochen angeht. Improvisation und Abwechslung gibt es kaum.Am liebsten essen sie jeden Tag Fufu!

3. Gemüse gibt es nicht viel und wird kaum gekocht. Es gibt hauptsächlich Tomaten, Zwiebeln, Mais, Kochbananen Okro, Garden Egg, grüne Paprika und Möhren.

4. Das Obst schmeckt wahnsinnig gut. Vor allem Mango und Ananas!

5. Warmes essen gibt es morgens, mittags und abends - egal wie mächtig es ist. Auf Fufu oder Reis zum Frühstück habe ich trotzdem meistens verzichtet ;-)

6. Auf gemeinsames Essen wird kaum Wert gelegt. Aber wenn gemeinsam gegessen wird, dann direkt aus dem gleichen Teller.

7. Meistens wird mit den Händen gegessen.

8. Knochen werden mitgegessen,das macht die eigenen Knochen anscheinend stärker.

9. Die Essenszeiten sind unregelmaessig. Viele lassen auch mal eine Mahlzeit aus oder essen sogar nur einmal am Tag, dann eben entsprechend mehr.

10. Durch die Kirche wird oft auf Essen gefastet, meistens von 6 Uhr morgens bis 12 mittags, oder von 6 morgens bis 6 abends.

11. Zum Kochen wird sehr viel Öl genommen, was das Essen fettig macht.

12. Essen in der Stadt ist super billig. Zum Beispiel Fufu ohne Fleisch oder Fisch bekommt man fuer 1 Cedi, das sind 25 Cent. Und nicht nur Fufu! Von einem oder vielleicht zwei Cedi wird man satt. Ich darf die deutschen Preise nicht umrechnen!

Die Bilder geben euch jetzt einen Einblick in die ghanaischen Standardgerichte. Wahrscheinlich läuft euch nicht gerade das Wasser im Mund zusammen, aber ich versichere euch, es schmeckt!!

Red Red: Kochbananen mit Bohnen. Eine super Kombination aus süss und herzhaft.

 

 

 

GARI: Getrocknete Cassava (Maniok). Schmeckt gut mit Bohnen oder Zucker oder Kakao und vor allem SHITO.Shito ist eine Soße bestehend aus Fisch, Pfeffer, Tomaten, Zwiebeln, Ginger, Öl und mehr. Moni und ich haben es geliebt! Robin wuerde sagen, wir haben es "gehyped". Ich habe auf jeden Fall reichlich Gari und Shito mit nach Deutschland genommen.

 

 

Cooked Yam & Kontomire Stew: Yam ist eine Wurzel, schmeckt wie Kartoffeln und Hauptbestandteil der Soße sind Cocoyam-Blätter.

 

Fried Yam & Tomato Stew:  Schmeckt wie Pommes oder Wedges. Die Tomatensosse gabs bei uns in BASCO täglich. 

 

 

 

Plaintain & Kotomire Stew: Kochbananen gekocht mit Sosse.

 

INDOMIE: Instantnudeln mit Ei und Gemüse. Ein Traum! Gibts abends auf der Straße an jeder Ecke. Deswegen verbinde ich es mit Ghana, auch wenn es nicht typisch ghanaisch ist.

 

Reis Man hat meistens die Auswahl zwischen Fried Rice (links), Jollof Rice (rechts) oder Plain Rice (einfacher Reis). Dazu gibts dann Fisch oder Fleisch, Salad und oft auch Spaghetti.

 

 

Waakye: Bohnen, gemischt mit Reis. Ist man auch mit Fleisch oder Fisch, Salat, Spaghetti und auch Gari und Shito.

https://www.mtholyoke.edu/~ofosu20n/classweb/faceofghana/images/n24803396_31555814_6638.jpg

 

Kenkey & Pepper Stew with Fish: Kenkey sind die Klöße, die ihr seht, bestehend aus fermentiertem Mais. Schmeckt säuerlich und wird mit Fisch und Pfeffersoße gegessen. kenkey ist soszusagen das "Arme-Leute-Essen", da es nur 50 Pesewa kostet, also 15 Cent.

    

Banku: Schmeckt wie Kenkey, nur besser! Besteht auch aus fermentiertem Mais, wird aber auch oft mit Suppe gegessen. Banku und Kenkey halten sich sehr lange, deswegen haben die Kinder uns zum Abschied Banku gemacht, um es mit nach Deutschland zu nehmen.

OMOTUO: Mein Favorit! Omotuo sind Reisbälle, die mit Fleisch/Fisch und Suppe gegessen werden. Den Reis wird mit viel Wasser gekocht und zu Bällen geformt. Also eigentlich ganz einfach, das schaffe ich auch in Deutschland ;-).

FUFU: Ich habe es lieben gelernt. Fufu besteht aus Cassava und Kochbananen, die gekocht und zerstampft werden. Dabei entseht ein klebriger Klumpen.  Er wird auch mit Suppe und Fleisch oder Fisch gegessen. Fufu ist vor allem für Männer, die hart arbeiten müssen. Es ist auch ziemlich mächtig. Und ganz wichtig ist: Fufu kaut man nicht! Hier ist ein Mädchen, das Fufu stampft.

Banku, Omotuo und Fufu werden in der Regel mit Suppe gegessen. In Ghana gibt es 3 Standardsuppen: Light Soup (wie wässrige Tomatensuppe), Palmnutsoup (aus zerstampften Palmnüssen) und Grandnutsoup (aus Erdnüssen).

 

 

Die Frucht heisst lustigerweise "Apple".


 

Kakao, wächst rund um BASCO und das Fruchtfleisch um den Bohnen schmeckt sehr gut!

Nicht zu vergessen ist: PURE WATER. Wasser wird (meistens) aus Tueten getrunken! Ein halber Liter kostet umgerechnet 3 Cent und ist erstaunlich praktisch. Sollte es in Deutschland auch geben.

Ich komme jetzt noch zu einem wichtigem Thema - das Essen in BASCO.
 Die Kinder bekommen meistens morgens Porridge (Maisbrei), mit ganz viel Glück auch mit Zucker, mittags Bohnen mit Gari und abends Reis mit Bohnensoße oder Kotomire Stew, wobei die Menge der Soße selten über einen Esslöffel hinausgeht.
 Ohja, das Essen ist ziemlich einseitig und auf die Dauer nicht gesund. Gemüse, Fleisch oder Fisch gibt es nur, wenn es gespendet wird. Das Essen soll aber satt machen und das werden die Kinder auch.

Trotzdem essen die Kinder nicht aus Appetit, sondern aus Hunger. Wenn es mal etwas anders gibt, freuen sie sich riesig, stopfen es aber trotzdem eher in sich rein. Ein Problem ist, dass viele Kinder keinen Teller haben und deswegen zu mehreren aus einem Teller oder Eimer essen. Wenn 10 Jungs aus einem Eimer essen, könnt ihr euch bestimmt schon vorstellen, wie das läuft. Dann essen sie nach dem Motto: Je schneller ich das Essen in mich reinstopfe, desto mehr bekomme ich. Das ist natürlich nicht in ganz Ghana so, das ist ausschließlich auf BASCO bezogen. In den Familien läuft das anders ab. BASCO ist eben doch ein "Brennpunkt". Ich habe oft ungläubig zugeschaut, weil es so fern von unserer Esskultur ist.
Und mir ist bewusst geworden, was für einen hohen Stellenwert gutes Essen in Deutschland einnimmt.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, was Robin, Moni und ich gegessen haben. Das war viel abwechslungsreicher und sehr lecker. Unser Extraessen hat nur nach einer Zeit bei Moni und mir zu einem schlechten Gewissen gegenüber den Kindern und Lehrern geführt, was uns rückblickend nicht gut getan hat. Aber jetzt essen wir ja wieder das deutsche Essen.

Ich hoffe, ihr bekommt irgendwann mal die Gelegenheit, ghanaisches Essen zu probieren!

Liebe Grüße, Eva

 

22August
2015

Die letzte Zeit

Die Letzte Zeit

Ein Jahr kann so schnell vergehen! Es fühlt sich wie eine Sekunde an und doch habe ich so viel erlebt.. Ich bin seit Mittwoch wieder in Deutschland und lebe mich gerade wieder ein. Ghana fühlt sich hier ganz weit weg an.

Den Kulturschock habe ich größer erwartet. Warmes fließendes Wasser, 24/7 Strom, Waschmaschine, Essen & Co haut mich gar nicht so um, wie ich es gedacht habe. Das alles ist irgendwie nebensächlich für mich. Ich habe kein Problem damit, mit Eimer zu duschen, mit Händen zu waschen und so weiter oder besser gesagt ich mache mir kaum Gedanken darüber. Wichtiger ist, dass ich meine ganze Familie und Freunde wiedersehe ;-)

Der Abschied war natürlich nicht einfach und es sind viele Tränen geflossen, aber ich war sehr erleichtert, als ich es hinter mich gebracht hatte und mich auf Deutschland freuen konnte!

Der Reverend hat noch eine Sent-Off Zeremonie mit uns veranstaltet, um sich für unseren Freiwilligendienst zu bedanken. 

Hier ein paar Bilder vom Sent-Off:

 

  

Sir John, der Waisenheimdirektor, erst 23 Jahre alt und dafür macht er einen super Job.

Wir selber haben Fufu für alle organisiert! Wir dachten, wir essen dann alle zusammen mit den Kids, so zum Abschied, aber das war wohl ein bisschen naiv. Hätten wir uns auch eigentlich denkne können. Am Ende saßen wir alleine in der Halle und haben unser Fufu gegessen. (Strom gibt es immer noch nicht). War aber lecker! Und für die Kinder war es natürlich etwas Besonderes.

Das Unterrichten in BASCO hat mir auf jeden Fall viel Spaß gemacht! Ein Jahr hat mir aber gereicht. Die Schule in Ghana ist dann doch ganz anders. Ich werde meine Klassen trotzdem vermissen!

Class 5

Class 5

Class 6

Class 6

JHS 1

 JHS 1

JHS 2

JHS 2

JHS 3 hat schon im Juni ihre Abschlussexamen geschrieben, Foto ist im letzten Blogeintrag.

Rückblickend werde ich noch ein paar Einträge schreiben über allgemeine Themen wie Bildung, Religion, Essen und Vorurteile. Also schaut bald nochmal auf meinen Blog, falls es euch interessiert.  Für morgen habe ich einen Eintrag über ghanaisches Essen geplant. Ich vermisse es schon! Und BASCO natürlich ;-)

Bis dann, Eva

25Juli
2015

Der Countdown läuft!

Jetzt sinds nur noch 3 Wochen, bis es für mich heisst "byebye Ghana" und "Hallo, Deutschland"! Für Ghana wird das mein letzter Blogeintrag sein, aaaber ich werde in Deutschland dann noch über Religion, Bildung, Musik und Essen in Ghana schreiben. Das hatte ich schon länger vor, aber es ist immer was dazwischen gekommen.

Außerdem erwartet euch auch noch ein Film über BASCO! Den habe ich mit meinem ICT Club gedreht. In der Zeit ging meine Kamera leider kaputt, aber ich hoffe, wir haben jetzt alle Aufnahmen soweit. Jetzt fehlt nur noch die Bearbeitung. Hört sich aber einfacher an, als es ist, da unser Generator seit einer Woche kaputt ist! Ja genau, das heisst, ich sitze im Busch ohne Strom. Aber halb so wild, irgendwie stört mich das gar nicht so sehr. Ich gehe einfach früher schlafen und Handy lade ich in der Stadt. Nur da ich meinen Laptop nicht laden kann, kann ich den Film auch nicht zusammenschneiden. Aber ich mach das einfach in Ruhe in Deutschland, jetzt läuft die Zeit ja eh ab..

Aber dank der kleinen Solaranlage (siehe letzter Blogeintrag) haben wir ja Licht im Lab und in der Library! Da können die Kinder dann abends lernen. Die große Frage, wann der Generator repariert wird, kann niemand beantworten. Noch wurde nichts großes unternommen, aber ich schätze mal so in zwei Wochen. 

Die Junior High School 3 hat jetzt ihre Endexamen hinter sich und nächstes Jahr geht es für viele mit der Senior High School weiter. Die Vorbereitung auf die Examen war sooo ein Chaos, falls Chaos das richtige Wort ist, es war für mich auf jeden Fall sehr unverständlich.

Je näher die Examen kamen, desto mehr wurde gelernt und desto weniger wurde geschlafen. Es ist natürlich eine super Idee, die Nacht vor den Examen dann kein Auge zuzumachen! Ich habe mein Bestes gegeben und versucht zu erklären, dass Schlaf wichtig ist. Und die Examen sollten hier alle in einer Woche geschrieben werden und zum Teil zwei Examen am Tag. SOLLTEN. Das ist der zweite Punkt. Jeweils am Tag vor den Examen wurden via Whatsapp und Facebook schon alle Fragen durch ganz Ghana geschickt (die Endexamen werden hier zentral geschrieben). Deswegen wurden nach 3 Tagen alles abgesagt und auf 2 Wochen später verschoben. Nur ICT wurde an dem Freitag noch geschrieben. 

Für die Schüler war das natürlich nicht so toll und schwierig, Motivation zu finden, weiter zu lernen. Aber jetzt haben sie es ja geschafft und ich hoffe auf gute Ergebnisse.

Das ist die Klasse (außer die Daystudents):

JHS 3

Inzwischen war ich auch mit der Form 1 und Form 2 im Internetcafe – falls ich es noch nicht erwähnt habe. Jetzt haben die Schüler auch mal erlebt, was das Internet wirklich ist. Und sie hatten Spaß dabei :-) Dafür habe ich einen Teil eurer Spenden investiert. Außerdem habe ich mit den Spenden ein neues Regal für die Bücherei angeschafft. Schon vor Monaten wurden viele, viele Bücher gespendet, für die aber kein Platz in den Regalen war. Das hat sich jetzt geändert! Also von mir und ganz BASCO, DANKE an alle Spender!! Das Bild vom Regal folgt noch.. :)

Übers Mid-Term-Wochenende waren Robin, Moni & Ich diesmal in Ada-Foah. Dort mündet der Volta-Fluss ins Meer. Es ist ein wunderschöner Ort! Der schönste Strand, den ich in Ghana erlebt habe. Also mit den menschenüberfüllten Stränden in Italien nicht zu vergleichen!

Für mich geht es bald nach Hause – die Zeit rennt so schnell, aber genieße sie. In einer Woche fangen die Ferien an und dann muss ich mich schon von einigen Schülern und Internatskindern verabschieden. Der Abschied wird mir sehr schwer fallen, ist auch noch nicht ganz real, aber ich lenke mich einfach mit den schönen Sachen ab, die mich in Deutschland erwarten!

Ich melde mich, wenn ich in Deutschland bin. 

Bis dann, Eva

 

03Juni
2015

dies und das

 

 

 

 

Hallo zusammen!

Heute lade ich hauptsaechlich ein paar Bilder hoch.

Aber erstmal vorweg: BASCO hat jetzt eine (kleine) Solaranlage! Vor 3 Wochen kamen ploetzlich Arbeiter, die alles installiert haben. Was genau gemacht wurde, wusste keiner, aber das Lab und die Library werden jetzt mit Solarstrom versorgt und ausserdem gibt es 4 Strassenlaternen auf dem Kampus. Bis jetzt reich die Solaranlage nur fuer 4 Computer, da die aelteren Computer fuer die Anlage nicht geeignet sind, aber bald sollen 3 neue Computer kommen - ich freu mich drauf!! Denn dann kann ich auch tagsueber praktisch unterichten. 4 Computer sind fuer Klassen mit um die 20 Schueler leider noch zu wenig, aber auf jeden Fall eine Verbesserung. Zur Erinnrung: Abgesehen von der Solaranlage haben wir abends 2 Stunden Strom, weswegen ich auch nur abends das Computer Lab nutzen kann.

Hier ist eine der Strassenlaternen:

Ansonsten schreibt die hoechste Klasse (Klasse 9) in zwei Wochen ihre Abschlusspruefungen,um danach auf dei Senior High School zu gehen. Das heisst fuer die Schueler lernen, lernen, LERNEN! Vor und nach der Schule halten die Lehrer Extrastunden und auch nachts bleibt auch nicht viel Zeit zum Schlafen. Also ich finde, laenger als 12 sollten die Schueler nicht aufbleiben, sie muessen ja immerhim um halb 5 schon wieder aufstehen. , Aber es haben auch schon welche die Nacht durchgemacht. Aber das koennen sie ja bis zu den Pruefungen gar nicht durchhalten. Die Schueler haben so eine stressige Zeit, weil ihnen im letzten Schuljahr (kurz vor den Pruefunge) ploetzlich sehr viel Druck gemacht wird. Gute Ergebnisse bedeuten eben ein gutes Image fuer Basco!

Als mein Vater und mein Bruder hier waren, haben wir mit der Klasse 5 Reis mit Gemuesesosse und Chicken gekocht. Das hat echt Spass gemacht. Und in die Kinder passt wahnsinnig viel Essen rein!! Ich frag mich, wo bei denen die Grenze ist.

 

   

Das ist Bascos Fussballfeld:

 

Basco hat auch Platz fuer Kinder, die sich eine eigene Farm aufbauen wollen. Der Robin hatte letztes Jahr auch eine. Cassava, Ananas, Kochbananen, Wassermelonen, Tomaten, Mais und noch viel mehr koennen die Kinder pflanzen. In BASCO gibt es auch ganz viele Kokusnusspalmen!

 

Das Bild erinnert mich an ein gerade problematisches Thema: WASSER.

Der Brunnen ist naemlich kaputt! Der naechste Brunnen ist 10 Minuten zu Fuss entfernt und jeden Tag muss jedes Kind zwei Eimer Wasser fuer die Kueche holen. Das geht jetts chon einen Monat so.

Zum Duschen und Waschen(und leider auch oft zum Trinken) holen die Kinder Wasser aus einem Duempel, 5 Minuten von BASCO entfernt. In Deutschland wuerde man in sowas nicht baden gehen und hier wird damit geduscht. Aber inzwischen sind wir ja abgehaertet und gegen die Wuermer koennen wir so ein chemisches Zeug ins Wasser tun! Trinken muessen wir das nicht, keine Sorge :-)

Beeindruckend ist, dass die Kinder so nen Eimer Wasser auf dem Kopf tragen koennen, ohne dass sie ihn festhalten koennen! Fuer mich ist das unmoeglich. Aber Uebung macht den Meister :-)

Die Baender kennt ihr ja bestimmt aus Deutschland :-) Die hat eine Freundin meiner Mutter geschenkt, bei den Kindern kam das super gut an - sie fragen mich immer noch nach "Ties", obwohl ich schon laaange keine mehr hab. :)

Ich wollte eigentlich noch viel mehr schreiben, aber weil mein Internet laeuft in einer Minute ab, deswegen muss ich den Eintrag schnell hochladen.

Bis Bald! Eva             

08Mai
2015

Reisen durch den Norden & Westen

Hallo ihr Lieben!

Gerade habe ich Ferien, die auch schon fast wieder vorbei sind (die Zeit vergeht schnell). Jedenfalls habe ich Einiges zu berichten. Dieser Blogeintrag soll erstmal von meiner Reise handeln.

Vorher eine kurze Info: Auch dieses Term habe ich mit meinen Klassen Examen geschrieben und (fast) alle Schüler haben erfolgreich bestanden. Dieses Term habe ich auf jeden Fall mehr Stoff durchbekommen (im Lehrplan steht VIEL), dafür konnte ich den Stoff aber leider nicht so intensiv machen wie im letzten Term. Deswegen waren meine Examen für die Schüler diesmal auch etwas schwieriger. Ich hab in Rekordzeit alles benotet, sodass ich mit gutem Gewissen in die Ferien starten konnte.

Am Anfang der Ferien kamen nämlich mein Vater und mein Bruder nach Ghana, um mich hier zu besuchen & auch um Ghana kennen zu lernen. Die ersten Tage in BASCO waren auf jeden Fall spannend für sie, auch wenn Sie sich natürlich erstmal an das "ghanaische Leben" gewöhnen mussten. Aber die beiden haben sich gut geschlagen ;-)

Danach hatten wir noch gut eine Woche Zeit zum REISEN! Reisen muss man ziemlich spontan machen, man plant von einem Tag auf die anderen, da eigentlich immer etwas dazwischen kommt. Deswegen hatten wir eigentlich so gut wie keine Reisepläne. Man braucht sich aber keine Sorgen machen – einen Platz zum Schlafen gibt es immer.

Erstmal haben wir uns nach Kumasi aufgemacht. Von der Stadt habe ich ja schonmal erzählt. In der Nähe gibt es einen Schmetterlingspark, den wir uns angeschaut haben. Dort haben wir nicht nur gefühlt eine Millionen Schmetterlinge gesehen, sondern auch eine Vielfalt von Bäumen. Viele dieser Bäume haben eine kulturelle Geschichte und werden für Medizin verwendet.

   

 

Ein Termitenhügel

 

In Kumasi ging es auch wieder zum überfüllten und riesigen Zentralmarkt (was ein echt tolles Erlebnis ist) und in den Königspalast.

Am selben Tag haben wir abends unsere Reise nach Tamale gestartet, dass im Norden Ghanas liegt. Dort wollte ich unbedingt noch hin, da es im Norden ganz anders als im Süden sein soll. Und man könnte wirklich meinen, man ist in einem anderen Land. Das waren meine ersten Eindrücke:

  1. Die Luft ist viel trockener (Regen gibt’s im Norden nicht so viel).

  2. Im Norden wohnen viel weniger Leute,

  3. Die Nordghanaer bevorzugen Motorräder.

  4. Im Norden gibt es mehr Muslime als Christen und somit auch Moscheen an jeder Ecke.

  5. Die Landschaft ist flacher und ausgetrocknet.

  6. Die Häuser in den Dörfern sind rund.

  7. Es wird kaum Twi gesprochen und viele können kein Englisch

In Tamale haben wir einen Tag verbracht und uns die Stadt angeguckt, darunter die vielen Moscheen, den Königspalast, die katholische Kirche und den Kunstmarkt (extra für Touris). Abends habe mussten mein Bruder & Vater Rice Balls mit Grandnutsoup probieren, unzwar mit Fingern. Mein absolutes Lieblingsessen hier.

Hier gibt's ein paar Einblicke:

Ein typischer Frühstücksstand. Hier kann man sich Kakao, Kafee, Tee und Brot mit Ei kaufen, super lecker.

 

 

Am nächsten Tag sind wir weiter in Richtung Mole-National Park, dem größten & bekanntesten Nationalpark Ghanas. Wir haben Halt in Larabanga gemacht, einem Dorf, wo die älteste Moscheen Ghanas steht, sie wurde 1421 erbaut und noch heute wird sie jeden Freitag besucht.

Hier stehe ich vor dem Eingang für Frauen ;-) Die Türen sind so klein, damit man sich beim Betreten der Moschee direkt verneigt.

Von Larabanga ging es dann zum Mole-Park, wo wir auch eine Nacht verbracht haben. Wir haben uns mit einer anderen Deutschen einen Jeep für 2 Stunden gemietet (länger geht leider nicht), um relativ weit in den Park reinzukommen. Und es hat sich gelohnt. Wir haben nicht nur beeindruckende Natur gesehen, die ja wie schon erwähnt ganz anders als im Süden ist, sondern auch viele Tiere. Das Beste waren die Antilopen, Affen, einen Alligator und das Highlight ELEFANTEN! Wir hatten auch Glück, als wir kamen, waren die Elefanten gerade beim Baden ;)

 

Am nächsten Tag sind wir nach Kintampo gefahren, eine Stadt, die südlich von Tamale liegt. Dort haben wir uns die 3 Wasserfälle angeschaut.

  1. Wasserfall:

  2. Wasserfall (eher unspektakulär, lade ich eigentlich nur zur Vollständigkeit hoch)

  3. Wasserfall

     

    Mein Versuch vor den Wasserfall zu gehen und nicht groß nass zu werden, war gut, ist aber leider gescheitert. Ich bin auf den nassen Steinen ausgerutscht. Aber ich war lange nicht der Einzige. Mein Bruder hat sich auch hingelegt! Aber gut, dass ich hingefallen bin, so bin ich dann richtig in den Wasserfall gegangen und das hat ziemlich Spaß gemacht :-)

In der Nähe von den Kintampo Wasserfällen gibt es ein Affen-Reservat, wo wir dann übernachtet haben. Am nächsten Tag haben wir viele Affen in freier Natur gesehen, die uns auch Bananen aus den Händen gegessen haben. Die Affen werden in dem Dorf verehrt. Die Leute glauben, dass alles, was man den Affen antut, einem selbst wiederfährt. Es gibt sogar einen Affenfriedhof. Wirklich spannend :-)

... Bilder folgen noch.

Am nächsten Tag haben wir eine Tour in der Nähe von Techiman gemacht. Da ging es durch Höhlen und über Klippen, die auch eine kulturelle Bedeutung haben. Hier wurde zum Beispiel der Chief im Krieg versteckt. Die Leute opfern ihren Göttern dort noch heute.

An dieser Felswand fand ein jährlicher Wettbewerb statt. 6 Männer kämpfen um eine Frau: Wer zuerst oben ist, darf die Frau heiraten. Andere Hochzeiten waren nicht erlaubt.

Nach einer Nacht in Techiman, ging es schon wieder zurück nach Kumasi. Dort wollten wir uns einen weiteren Wald anschauen, in dem es viele verschiedene Vögel zu sehen geben sollte. Tja, der Führer war nur leider nicht da und unerreichbar. Wir haben dann so 2 Stunden gewartet, sind dann aber zurück nach Kumasi gefahren. So kanns halt kommen :-) Immerhin gab es einen Damm ganz in der Nähe, den wir uns angeschaut haben.

Am selben Tag sind wir noch zurück nach BASCO gefahren, das heißt unsere Reise war fast zu Ende. Am nächsten Tag wollte ich mit den beiden ins Kakaoinstitut in der Nähe von Koforidua fahren, doch als wir endlich da waren, war es für eine Führung zu spät. Aber bis auf die letzten zwei Tage haben wir ja immer Glück gehabt.

Dann hieß es auch schon "zurück nach Deutschland" für meinen Vater und meinen Bruder. Wie ich schon am Anfang geschrieben hab: Die Zeit verfliegt! Ich habe die Zeit genossen und habe viele neue Sachen in Ghana gesehen.

Jetzt sind nur noch 3 Monate übrig für mich in Ghana, mit dem Gedanken muss ich mich leider anfreunden. Ich habe aber auch noch einiges vor wie mit der Form 1 und Form 2 ins Internet Cafe zu gehen und ein neues Regal für die Bibliothek anzuschaffen. Und ich bin wieder motiviert für das nächste Schulterm :-).

Hoffentlich scheint die Sonne auch bei euch!

Bis bald, Eva 

04April
2015

Sajuna Beach Club

Hallo zusammen!Letzten Samstag habe ich mit der Form 1 (Klasse 7) einen Ausflug zum Sajuna Beach Club gemacht, 2-3 Stunden von BASCO entfernt. Die Idee hatten wir von den Freiwilligen vor uns, die dort letztes Jahr mit einer Klasse waren.

Es war so ein schoener Tag!! Die Kinder haben sich unglaublich gefreut. Schon auf der Hinfahrt wurde im Auto gesungen, ohne Pause. Ins Auto haette keiner mehr reingepasst, 8 Leute haben sich jeweils 4 Sitze geteilt :-) Aber Probleme mit der Polizei gabs nicht!

Sajuna ist in der Naehe von einer beruehmten Bruecke in Ghana - die Adomi Bridge ueber dem Volta Fluss. Deswegen haben wir zuerst einen kurzen Abstecher dahin gemacht und dann gabs erstmal ein "kleines" Fotoshooting.

ADOMI BRIDGE

Die Jungs:

Die Maedels:

Danach gings ENDLICH nach Sajuna. Sobald die Kinder im Wasser waren, wollten sie nicht mehr raus, egal wie rot die Augen, muede oder hungrig sie waren. :-) Es hat so viel Spass gemacht! Die Meisten waren noch nie vorher schwimmen, deswegen war das fuer sie ein besonderes Erlebnis. Ich frage mich, wie das ist, wenn man das erste Mal im Leben schwimmen geht.

Gut, dass der Pool nicht so tief war, die Kinder konnten ohne Probleme stehen. Ich habe auch versucht, einigen Kindern Schwimmen beizubringen, aber das kann man leider ja nicht so schnell lernen.

Fruehstueck und Mittagessen hatten wir uns mitgebracht und zum Abendessen gab es Rice Balls fuer alle. Am Ende unseres Ausflugs waren alle gluecklich, inklusive mir! Den Tag werde ich nicht so schnell vergessen.

Hier gibts noch ein paar Fotos fuer euch:

 

 

Ich hoffe, bei euch in Deutschland laueft alles gut!

Bis Bald, Eva

 

 

 

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